Presse

National Geographics berichtet über den Symbiofilter

Die Mikro-Kumpel

In diesem Biofilter reinigen Pflanzen Luft und Wasser von Schadstoffen – in dem sie diese einfach abbauen. Dienstag, 2 Oktober

Von Marlene Göring

Im Symbiofilter wachsen Algen und Wasserlinsen gemeinsam.

Es ist ein Moment, um sich einfach lebendig zu fühlen. Kanadagänse schnappen nach Grashalmen, Schmetterlinge, Käfer und Wespen schwärmen umher. Die Luft scheint selbst lebendig geworden. Es summt, es surrt, es kraucht überall.

Helgo Feige ist in seinem Element. Der Biologe steht inmitten von Niedersachsens Landesgartenschau in Bad Iburg vor  einer eigentümlichen Apparatur aus Plexiglaskästen, Röhren und Düsen. In allem ein grüner Schimmer, der zeigt: Diese Maschine lebt! Sie ist ein komplexes Biokraftwerk, das Feige sich ausgedacht hat. Es kann Luft und Wasser von Schadstoffen befreien.

“Die Pflanzen sind wie Arbeiter in einem Bergwerk, nur dass sie kein Erz oder Kohle abbauen, sondern CO2, Phosphat, Feinstaub.”

Helgo Feige greift in einen der Plexiglaskästen und fischt eine Handvoll
knallgrüner Masse heraus. Sie sieht
schleimig aus, aber irgendwie auch
angenehm frisch: Wasserlinsen und
Fadenalgen. „Das sind meine Mikro-Kumpel“, sagt Feige. Die Pflanzen sind
wie Arbeiter in einem Bergwerk, nur
dass sie kein Erz oder Kohle abbauen, sondern CO2, Stickstoffdioxid, Phosphat und Feinstaub – Dinge, die der Mensch in seiner Umwelt nicht besonders schätzt. Trotzdem produziert er viel zu viel davon: in Industrie und Landwirtschaft, im Straßenverkehr. Die Stoffe sind für den Klimawandel mitverantwortlich und für die Übersäuerung der Böden. Feige macht sich bei seiner Erfindung die Kraft der Natur zunutze: Was für den Menschen schädlich ist, brauchen die Wasserorganismen für ihren Stoffwechsel.

Das Wasser, das in die Plexiglaskaskade geleitet wird, versorgt die Pflanzen darin mit Nährstoffen – und wird dadurch gereinigt. Daneben wird in einem Plexiglaszylinder unten Luft eingesogen, die nach oben strömt und dabei auf feinste Sprühfontänen trifft. Darin befinden sich mikroskopisch kleine Algen, die aus den Kästen nebenan gepumpt werden. Auch sie nehmen Partikel auf – die Luft kommt sauber wieder heraus.

Helgo Feige vor seinem Symbiofilter. „Die meisten Menschen finden Algen glitschig und eklig – dabei sind es natürliche Helfer“, sagt der Biologe.

Symbiofilter heißt die Anlage, weil Algen und Wasserlinsen darin gemeinsam wachsen. „Sie sind wie Menschen: Sie brauchen eine Schulter zum Anlehnen“, sagt Feige, der hauptberuflich auf Aquaristik spezialisiert ist. Er hat unter anderem Partner an der Universität Osnabrück gefunden, wo Algenkulturen für den Biofilter gezüchtet werden. Meistens nutzt Feige die Arten, die sich bereits in der Umgebung angesiedelt haben, aus der ein Stoff gefiltert werden soll – sie haben sozusagen schon mit der Arbeit begonnen: „Auch wenn wir ihn nicht sehen: Über allem liegt ein Biofilm“, erklärt Feige. „Es ist irre, was Pflanzen alles können!“ 50 Prozent CO2 zog der Biofilter in einem der ersten Tests aus der Abluft eines Dieselmotors heraus.
Es gibt mehr als genug Anwendungen für ihn: Am Klärwerk im nahen Bramsche frischt er die Luft auf; seitdem klagen die Anwohner nicht mehr über Gestank. Feige ist im Gespräch mit der Stadt Augsburg, die gern Autoabgase in der Luft loswürde, und mit einem Welszüchter aus Österreich. Der muss bisher Wasser als teuren Sondermüll entsorgen, weil sich darin durch den Kot der Fische Nitrat und Phosphat anreichern. Der Symbiofilter könnte das verhindern. Und: Die Wasserlinsen – auf Latein mit dem anmutigen Namen Lemna, im Volksmund schlicht Entengrütze – können geerntet werden. Sie verdoppeln ihre Biomasse in nur zehn bis 24 Stunden, sind Biodünger und Proteinlieferant. Nur haben bis jetzt erst wenige den Nutzen der Pflanze erkannt.
Der Symbiofilter war schon für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert, und sein Potenzial ist lange nicht ausgeschöpft. Dafür brauche es mehr Partner – und Mut, so Feige. Oft fühle er sich wie „David gegen Goliath“: „Wenn sich einer mal trauen würde, nicht nur die Forschung zu bestaunen – sondern auch zu machen!“, sagt er. „Dann könnten wir viele unserer heutigen Probleme lösen.“

Diesen Artikel finden Sie auch in Heft 10/2018 des National Geographic-Magazins. Jetzt ein Abo abschließen!

https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2018/10/die-mikro-kumpel, abgerufen am 02.10.2018

Der Symbiofilter wird 2. bei dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis


Bei der alljährlichen Preisverleihung des „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ wurde die Projektgruppe des Symbiofilters durch den BMBF als Zweiter prämiert. Ausschlaggebend waren die vielen Votings, die das Projekt erhielt. Als Team freuen wir uns darüber sehr, dass unser kleiner Beitrag zum Schutz der Umwelt in diesem Maße gewürdigt wurde. Wir möchten uns bei Ihnen, für ihr Interesse und ihre Stimme, zu diesem uns am Herzen liegenden Projekt, ganz herzlich bedanken.

TV-Berichte

Der lebendige Filter

Lebende Organismen reinigen Luft und Abwasser effektiv: Wissenschaftler aus Osnabrück entwickeln einen Filter, in dem Wasserlinsen und Algen gemeinsam Nährstoffe und Schadstoffe aus Abwasser und Abluft aufnehmen. Erstausstrahlung: 7. November 2017 auf 3SAT. Zu finden ist der Bericht in der 3SAT Mediathek unter der URL: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=69916.

Neuer Symbiofilter soll für saubere Luft sorgen



Forscher der Uni Osnabrück und die Aquaristik-Firma Aqua Light haben ein System entwickelt, das Luft und Wasser reinigen kann. Der erste „Symbiofilter“ steht jetzt in Bramsche. Erstausstrahlung 29.04.2018 19:30 Uhr im NDR.

Beitrag über den Symbiofilter auf Nordsehen.TV

Das Symbiofilter erhält einen Förderbescheid des Landkreises Osnabrücks. Außerdem wird der Symbiofilter auf der Landesgartenschau in Bad Iburg ausgestellt.  Erstausstrahlung 12. Februar 2018 auf Nordsehen. Zu finden ist das Video als Beitrag unter der URL: http://www.nordsehen.tv/.

 

 

Zeitungsberichte

Helgo Feige: Mit Entengrütze gegen Abgase

Foto: Jörn Martens

Der Traum von Helgo Feige lebt weiter. Das Jahr 2018 war für seinen Symbiofilter zwar noch nicht der ganz große Durchbruch zur Praxisanwendung, aber auf alle Fälle ein weiterer Schritt nach vorn. Auf der Landesgartenschau in Bad Iburg präsentierte der Diplom-Biologe in Diensten der Bramscher Firma Aqualight sein Projekt, bei dem Algen und Pflanzen, namentlich Entengrütze, Schadstoffe aus der Luft und aus dem Wasser filtern. Die vielen tausend Besucher staunten über die Anlage und über die einfache Grundidee. Zu viel Abgase in Städten, belastetes Wasser durch Gülle oder stinkende Luft neben Schweinemastanlagen: Ein Filter aus Entengrütze, Algen und Bakterien soll in Zukunft eine Lösung für all diese Probleme bieten. Landtagsabgeordnete der SPD und der CDU nahmen die zweite Modellanlage am Bramscher Klärwerk in Augenschein, viele Medien griffen das Thema auf. Biotüftler Feige, der Algen und Pflanzen seine „Mikrokumpel“ nennt, wird auch 2019 weiterforschen. (Heiner Beinke)

Quelle: Osnabrücker Zeitung,  Ausgabe vom 04.12.2018, https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/1596863/so-ist-es-den-noz-hoffnungstraegern-2018-ergangen, abgerufen am 10.12.2018.

Saubere Luft, sauberes Wasser: Helgo Feige mit seinem Symbiofilter. Die erste Anlage im Einsatz steht im Abwasserbeseitigungsbetrieb Bramsche.
Saubere Luft, sauberes Wasser: Helgo Feige mit seinem Symbiofilter. Die erste Anlage im Einsatz steht im Abwasserbeseitigungsbetrieb Bramsche. Quelle: Villegas
Quelle: Hannoversche Allgemeine,  Ausgabe vom 24.05.2018, www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Dieser-neue-Filter-reinigt-Luft-und-Wasser-mit-Entengruetze, abgerufen am 25.05.2018.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Lebender Filter: Prestigeerfolg für Erfindung aus Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Große Ehre: Unser Bild zeigt Helgo Feige (links), Projektleiter Symbiofilter, gemeinsam mit anderen Nominierten und Siegern in der Kategorie Forschung. Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Jochen Rolfes
Große Ehre: Unser Bild zeigt Helgo Feige (links), Projektleiter Symbiofilter, gemeinsam mit anderen Nominierten und Siegern in der Kategorie Forschung. Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Jochen Rolfes

Osnabrück/Bramsche. Für die Erfindung eines lebenden Filters, der geklärtem Abwasser überschüssige Nährstoffe entzieht, sind Biologen der Universität Osnabrück gemeinsam mit dem Bramscher Unternehmen Aqua Light beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2017 geehrt worden. Ihr sogenannter Symbiofilter war in der Kategorie Forschung nominiert.

Auch wenn den Sieg bei der Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf andere davontrugen: Die Uni Osnabrück wertet das Abschneiden ihrer Wissenschaftler als großen Erfolg. „Ich bin unheimlich stolz auf diese Leistung“, wird Präsident Wolfgang Lücke in einer Uni-Mitteilung vom Dienstag zitiert. Die Nominierung zeige das „hohe Innovationspotenzial“ universitärer Forschung aus Osnabrück und mache deutlich, „dass Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen für alle Beteiligten große Vorteile mit sich bringen“.

Natur als Vorbild

Forscher der Firma Aqua Light aus Bramsche haben in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück die Natur als Vorbild genommen, um die Problematik der Wasserverschmutzung anzugehen und den Nährstoffeintrag aus Klärwerken zu vermindern. Dazu wurde ein lebender Filter entwickelt: Im Symbiofilter gehen die am schnellsten wachsende Wasserpflanze Lemna (Wasserlinse), die in der Natur häufig in stark belasteten Gewässern vorkommt, und Mikroorganismen eine Lebensgemeinschaft (Symbiose) ein. Der Symbiofilter kann als kompaktes, mobiles Modul direkt in die Wasseraufbereitung des Klärwerks integriert werden, entzieht dem Wasser überschüssige Nährstoffe und wandelt diese sogar in verwertbare Biomasse um. Selbst gesundheitsschädliche Schwermetalle und Arzneimittelreste können durch den Symbiofilter beseitigt werden. Die erfolgreiche Wirkungsweise des Filters ist durch den Einsatz eines Prototypen bereits belegt.

Saubere Umwelt ist essenziell

Nominiert für die gemeinsame Erfindung waren: die Projektleiter Henrik Buschmann (Uni Osnabrück) und Helgo Feige (Aqua Light), Physikprofessor Hilmar Franke, Botanikprofessorin Sabine Zachgo und Maike Bergmann als wissenschaftliche Mitarbeiterin. „Wir freuen uns sehr über diese Nominierung“, sagte Buschmann laut Mitteilung. „Es zeigt nicht zuletzt, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in der deutschen Gesellschaft inzwischen akzeptiert und das Wissen darüber, dass wir auf eine saubere Umwelt essenziell angewiesen sind, nicht nur von einigen Aktivisten vertreten wird.“

Trinkwasser von Kontamination bedroht

Zum Hintergrund: Die Wasserverschmutzung in Deutschland wird immer mehr zu einem drängenden Problem. Vor allem tragen überschüssige Nährstoffe wie Nitrate und Phosphate zu einer Kontamination bei, die in herkömmlichen Kläranlagen bisher nicht effektiv entfernt werden können und so direkt in die Oberflächengewässer gelangen. Dadurch ist indirekt auch das Trinkwasser bedroht. Hier setzen die Osnabrücker Wissenschaftler gemeinsam mit Aqua Light an.

Jury von Symbiofilter überzeugt

Der Symbiofilter überzeugte deshalb auch die Jury bei der Vorauswahl. In der Begründung für die Nominierung heißt es: „Der Symbiofilter ermöglicht erstmals eine schnelle, witterungsunabhängige, preiswerte, mobile und äußerst effiziente Lösung zur Reinigung von Wasser – und das auf Pflanzenbasis. In Kombination mit dem Wäscher erlaubt er gleichzeitig die Abluftreinigung aus dem Klärwerk, ohne zusätzliches Abwasser zu erzeugen. Somit liefert der Symbiofilter einen äußerst wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität und einen nachhaltigen Weg zu sauberem Wasser.“

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, Sebastian Stricker, Ausgabe vom 13.12.2017, https://www.noz.de/lokales/bramsche/artikel/972331/bramscher-oeko-projekt-im-blick-deutscher-forscher, abgerufen am 19.12.2017.

Mit Entengrütze gegen dreckige Luft

von Josephine Lütke
Ein Symbiofilter steht in einer Kläranlage. Fotograf: Josephine Lütke

Im Klärwerk in Bramsche sorgt der Symbiofilter schon jetzt für weniger Geruch in der Luft.

Zu viel Abgase in Städten, belastetes Wasser durch Gülle oder stinkende Luft neben Schweinemastanlagen: Ein Filter aus Entengrütze, Algen und Bakterien soll in Zukunft eine Lösung für all diese Probleme bieten. Der Symbiofilter. Das System kann Luft und Wasser reinigen. Entwickelt haben den Filter Wissenschaftler der Universität Osnabrück und ein Team der Bramscher Aquaristik-Firma „Aqua Light“. Bald könnte er an viel befahrenen Straßen für deutlich sauberere Luft sorgen.

„Effizienz der Organismen extrem hoch“

„Die Abluft von Straßen kann in einem enorm großen Maßstab gereinigt werden“, sagt Helgo Feige, einer der Erfinder des Symbiofilters. Denn: Das System könne unter anderem extrem viele Stickstoffoxide aus der Luft aufnehmen. Also genau die giftigen Gase, die aus dem Auspuff kommen. Die ersten Berechnungen zeigen, dass der Symbiofilter in acht Stunden etwa so viel Luft reinigen kann wie hochgerechnet 2.000 Bäume. „Diese Zahl nennen wir nicht gern“, sagt der Biologe Helgo Feige. „Der Symbiofilter kann natürlich keinen halben Wald ersetzen. Aber die Effizienz der Organismen in dem Filter ist extrem hoch.“ Stünde das System an einer großen Kreuzung, würde es etwa 80 Prozent des Feinstaubs aus der Luft filtern.

Einer Grafik zeigt einen Symbiofilter und stellt seine Funktionsweise grafisch dar. © Universität Osnabrück & Aqualight GmbH

Es ist ein Kreislauf: Im Symbiofilter (in der Grafik links) schwimmen Wasserlinsen. Zusammen mit Algen und Bakterien reinigt die sogenannte Entengrütze belastetes Wasser. Ist das dann sauber, fließt es mitsamt der Algen und Bakterien in den Wäscher (rechts). Dort wird es versprüht und reinigt belastete Luft. Das dadurch wieder belastete Wasser fließt zurück in den Symbiofilter und wird dort erneut gesäubert.

So funktioniert die Pflanzenkläranlage

Der Symbiofilter ist sozusagen eine Pflanzenkläranlage. Und so funktioniert sie: Rechteckige Becken mit belastetem Wasser stehen übereinander. Verbunden sind sie mit Rohren, durch die das Wasser von einem Becken ins nächste fließt. Die kleineren Symbiofilter sind etwa so groß wie ein großer Kleiderschrank, die größeren füllen ein ganzes Wohnzimmer aus. Auf der Wasseroberfläche schwimmen Wasserlinsen. Die Entengrütze, wie man sie auch nennt, ist die am schnellsten wachsende Pflanze. Und: Sie liebt Nährstoffe, wie Nitrat oder Phosphat. Das sind genau die Stoffe, die Wasser verunreinigen. Gemeinsam mit Algen und Bakterien reinigt die Entengrütze das Wasser. Diese Symbiose der Organismen ist auch der Grund für den Namen der Anlage: Symbiofilter.

Ein Kreislaufsystem

Ist das Wasser sauber, fließt es mitsamt der sehr kleinen Algen und Bakterien über Rohre in den angebauten Wäscher. Das ist ein Zylinder aus Plexiglas, in dem das gereinigte Wasser versprüht wird. Von unten nach oben wird verschmutzte Luft durch den Zylinder gepustet. Das Wasser mit den Algen und Bakterien nimmt die Schmutzteilchen in der Luft auf und filtert sie so. Ist das Wasser dann wieder verunreinigt, fließt es zurück in den Symbiofilter. Der Reinigungsprozess beginnt erneut – ein Kreislaufsystem.

Pilotprojekt sorgt für bessere Luft im Klärwerk

Eine Luftaufnahme des Klärwerks Bramsche. Fotograf: Josephine Lütke

Im Bramscher Klärwerk steht der erste Symbiofilter, der im Einsatz ist. Mitarbeiter und Nachbarn bestätigen: Es stinkt nicht mehr so stark wie früher.

Der erste Symbiofilter im Einsatz steht im Klärwerk in Bramsche bei Osnabrück. Hier soll das System vor allem dafür sorgen, dass es weniger stinkt. Und das funktioniert laut Klärwerksmitarbeitern sehr gut. „Wir hatten anfangs eine gewisse Skepsis. Die wurde aber zerschlagen, weil wir festgestellt haben, dass die Gerüche stark nachgelassen haben“, sagt Abteilungsleiter Thomas Schulte. Und auch die Nachbarn hätten das bereits zurückgemeldet.

Einsatz auch in der Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft könne der Symbiofilter eingesetzt werden, sagt Henrik Buschmann, Biologe an der Universität Osnabrück. „Wir könnten Betriebe mit dem Filter ausrüsten, die Probleme mit der Abluft haben. Zum Beispiel aus Schweineställen oder aus Hühnerställen.“ Die Anlage könne die Luftemission von 500 Masttieren wie Schweinen oder Kühen neutralisieren, sagt Entwickler Feige. Und noch ein weiterer Einsatzbereich zeichnet sich ab: Das Gülle-Problem in der Landwirtschaft. Denn die Entengrütze und ihre „Mikrokumpel“, wie sie Feige nennt, können eben auch Nährstoffe wie Nitrat aus dem Wasser aufnehmen.

Stadt Stuttgart überlegt, Symbiofilter aufzustellen

Es gibt bereits Überlegungen der Stadt Stuttgart, den Symbiofilter gegen Autoabgase einzusetzen. Und auch in Osnabrück wird darüber diskutiert. Etwa 50.000 Euro kostet eine Anlage. Die Frage ist natürlich: Wo soll die große Anlage stehen? Laut der Entwickler sei es möglich, nur den Wäscher an der betroffenen Stelle aufzustellen. Also zum Beispiel an einem Verkehrsknotenpunkt. Der Filter mit den großen Becken kann an anderer Stelle stehen. Ein Rohrsystem würde dann einen oder mehrere Wäscher mit dem Filter verbinden.

 Quelle: NDR, Josephine Lütke, Veröffentlicht am 22.04.2018, https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Bramscher-Symbiofilter-sorgt-fuer-saubere-Luft,symbiofilter102.html, abgerufen am 04.05.2018.

Anlage bereits aufgebaut Bramscher Symbiofilter Blickfang bei LAGA Bad Iburg

Der Projektleiter der Firma Aqua Light, Helgo Feige (links), und die Botanikerin Maike Stein von der Universität Osnabrück (rechts) stellten (v.l.) Michael Lübbersmann , Annette Niermann und Ursula Stecker das Wirkprinzip des Symbiofilters vor. Foto: WIGOS/Kimberly Lübbersmann
Der Projektleiter der Firma Aqua Light, Helgo Feige (links), und die Botanikerin Maike Stein von der Universität Osnabrück (rechts) stellten (v.l.) Michael Lübbersmann , Annette Niermann und Ursula Stecker das Wirkprinzip des Symbiofilters vor. Foto: WIGOS/Kimberly Lübbersmann

Bramsche/Bad Iburg. In rund einem Monat wird die Landesgartenschau (LAGA) in Bad Iburg eröffnet, doch schon jetzt konnte eine weitere Besucherattraktion aufgebaut werden. Der Symbiofilter aus Bramsche ist ein lebendiges Filtersystem, das mit Hilfe von sogenannter Entengrütze, Algen und Mikroorganismen Wasser und Luft reinigen kann.

„Ich bin stolz, dass wir diese Innovation hier auf der LAGA zeigen können: Der Symbiofilter ist nicht nur ein visueller Blickfang, sondern passt perfekt in unser Konzept, dass die Themen Wasser, Natur und Umwelt in vielfältigen Aspekten verbindet“, so Bürgermeisterin Annette Niermann. Sie nahm jetzt gemeinsam mit Landrat Dr. Michael Lübbersmann und LAGA-Geschäftsführerin Ursula Stecker den Filter an seinem Standort an der Holperdorper Straße in Augenschein.

Saubere Luft

Der von der Aqua Light GmbH in Bramsche und dem Physiker Prof. Dr. Hilmar Franke entwickelte Symbiofilter klärt Abwasser und Luft mit Hilfe von Mikroorganismen und verschiedenen Wasserpflanzen, darunter die Entengrütze genannten Wasserlinsen. In Bad Iburg geht es schwerpunktmäßig um die Reinigung von Luft, erläuterte Helgo Feige, der als Projektmanager die Entwicklung des Symbiofilters bei Aqua Light leitet: „In einem zylinderförmigen Luftwäscher, der Abgase vom nahegelegenen Verkehrskreisel ansaugt, wird mit Mikroorganismen angereichertes Wasser versprüht,“ beschrieb der Diplom-Biologe. „Die so aus der Luft gewaschenen Schad- und Geruchsstoffe werden dann in ein Kaskadensystem transparenter Becken geleitet, in dem Wasserlinsen und Mikroorganismen kultiviert werden.“ Die Anfangskulturen der Pflanzen vermehren sich schnell und „fressen“ dabei die Schadstoffe aus dem Wasser. Die so entstehende üppige grüne Flora wird dann regelmäßig von der Wasseroberfläche abgeschöpft:

Verwertung als Dünger

„Die Wasserlinsen und Mikroorganismen können anschließend je nach Inhaltsstoffen entweder entsorgt oder etwa als Dünger verwertet werden“, skizzierte Maike Stein weiter. Sie gewährleistet mit ihren Kollegen von der Universität Osnabrück die akademische Begleitung des durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) geförderten Projektes und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Beginn an dabei. „Wir haben beispielsweise gemeinsam nach der idealen Kombination von Mikroorganismen gesucht, um möglichst viele Schadstoffe aus dem Wasser herauszufiltern“, erklärte die Botanikerin.

Attraktiver Baustein

Ursula Stecker freute sich, dass mit dem Symbiofilter nun ein weiterer attraktiver Baustein im Bereich Umweltbildung die LAGA bereichere. „Auch die räumliche Nähe zum Baumwipfelpfad mit dem grünen Klassenzimmer als umweltpädagogisches Angebot passt hier ganz hervorragend“, sagte die Geschäftsführerin. Sie könne sich sehr gut vorstellen, dass diese grüne Technologie gerade auch für junge Menschen spannend ist. Begeistert zeigte sich auch Landrat Lübbersmann. Er sieht großes Potenzial der innovativen Technologie für die Landwirtschaft: „Der Symbiofilter könnte künftig einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, etwa die Emissionsprobleme großer Stallanlagen in den Griff zu bekommen“, zeigte sich der Landrat überzeugt.

Beitrag der NOZ vom 20.03.2018, https://www.noz.de/lokales/bramsche/artikel/1177355/bramscher-symbiofilter-blickfang-bei-laga-bad-iburg

 

Beitrag der NOZ vom 19.12.2017, https://noz.de/os

Symbiofilter in Lappenstuhl

Bramscher Öko-Projekt im Blick deutscher Forscher

Von Heiner Beinke

 

Lappenstuhl. In einem ausrangierten Schiffscontainer auf dem Werksgelände der Firma Aqua Light im Bramscher Ortsteil Lappenstuhl wird an einem ökologischen Projekt von besonderer Bedeutung geforscht. Das beweist die Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis im Bereich Forschung. Ein Besuch.

Entengrütze als Segen

Entengrütze ist bei Teichbesitzern nicht besonders beliebt. Helgo Feige sieht das ganz anders. Der Biologe will die besonderen Eigenschaften der kleinen Wasserlinse nutzen, um Wasser und Luft ganz einfach zu reinigen. Bei der Firma Aqua Light experimentiert er mit dem Symbiofilter, dem er eine große Zukunft prophezeit.

Die Aqua Light GmbH ist ein Hersteller und Großhändler für Aquaristik. Die Aufbereitung und Reinigung von Wasser ist dabei neben Beleuchtung ein zentrales Thema. Der Biologe Helgo Feige forscht im Betrieb seines Bruders Klaus-Jürgen Feige über Möglichkeiten, biologische Eigenschaften für den Prozess auszunutzen. Und stieß auf Algen und Entengrütze.

Mikrokumpel

„Mikrokumpel“ nennt Feige jene Kleinstlebewesen, die sich von dem ernähren, was als unerwünschter Schadstoff gilt: Kohlendioxid, Phosphate, Stickstoff und anderes mehr: Die kleine Wasserlinse, lateinischer Name Lemna minor, „holt alles raus an Gift, was es gibt im Teich“, hat Feige festgestellt. Das müsse sich doch nutzbringend anwenden lassen, dachte sich der Biologe, der über einen Zeitungsbericht in den Bramscher Nachrichten den richtigen Partner für Verfahrensfragen entdeckte: Berichtet wurde über den Bramscher Physikprofessor Hilmar Franke, der sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt, wie die Fotosynthese bei Algen durch Kohlendioxid und Licht beschleunigt werden kann. Eine kleine Versuchsanlage entstand am Klärwerk. Es war nur der Anfang.

Forschung im Container

Ein ausrangierter Schiffscontainer auf dem Gelände der Firma Aqua Light ist heute das Zentrum der Forschung. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass hier Bedeutsames im Gange ist: „Gefördert durch Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages“, steht da.

Dem Besucher schlägt feuchte Wärme entgegen, der Boden ist nass vom Kondenswasser. „Das sind ideale Bedinungen für die Wasserlinse“, erläutert Helgo Feige. Er geht an einer Art Regalsystem vorbei, in den sich Kunststoffschalen mit Wasser stapeln, auf denen Entengrütze schwimmt. Die einzelnen Behältnisse sind durch Rohre und leichte Neigung miteinander verbunden. Durch diese künstlichen Miniteiche wird belastetes Wasser geleitet. Was eingeleitet wird, wie die Biomasse darauf reagiert und wie stark die Wasserlinsen wachsen wird ebenso genau festgehalten wie die Reinigungsleistung. Beteiligt am Projekt ist auch die Universität Osnabrück.

Begeisterung beim Biologen

Die bisherigen Ergebnisse begeistern die Biologen. Feige sieht viele praktische Anwendungsmöglichkeiten für den Symbiofilter. Und das nicht nur für Abwasser, sondern auch für Abluft. Die wird ebenfalls rein biologisch in einem Wäscher gereinigt, in dem diese Abluft durch Wasserkaskaden geleitet wird. Hier wird mit den Düsen experimentiert, die das Wasser möglichst fein verteilen sollen. Zu fein darf es aber auch nicht werden, sonst werden die als Stoffwechselspezialisten eingesetzten Algen zerfetzt. Bei einer zu großen Einstellung leidet die Reinigungsleistung.

Viele Anwendungen

Abwasser aus Kläranlagen, Gülle, Abluft aus verkehrsbelasteten Innenstädten – Feige kann sich zahlreiche Anwendungen vorstellen für den Symbiofilter. Und nicht nur er: Das Projekt ist mit zwei weiteren für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Forschung nominiert, das diesmal den Umgang mit Wasser als Schwerpunkt hat. „Das ist wie ein Ritterschlag für uns“, freut sich Feige.

Online-Voting

Eine genauere Vorstellung des Projektes wird im Rahmen des Wettbewerbs um den Nachhaltigkeitspreis noch folgen. Unter anderem wird dazu das Wissenschaftsmagazin „nano“ einen Film ausstrahlen der am 7.11.2017 um 18,30 Uhr gezeigt wird. Aber schon jetzt ist das Online-Voting freigegeben. Jeder kann hier teilnehmen. Unter den Teilnehmern des Public Votings werden zwei Eintrittskarten für den 10. Deutschen Nachhaltigkeitstag mit Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf verlost.

Der einzige Hinweis auf die Bedeutung des Forschungsprojektes ist das Schild an der Tür.
Quelle: Bramscher Nachrichten, Heiner Beinke, Ausgabe vom 01.11.2017, https://www.noz.de/lokales/bramsche/artikel/972331/bramscher-oeko-projekt-im-blick-deutscher-forscher, abgerufen am 17.11.2017.

Bramscher Projekt für Nachhaltigkeitspreis nominiert

Von Heiner Beinke

 

Am Klärwerk werden zurzeit Symbiofilter (links) und Abluft-Wäscher praktisch erprobt. Foto: Heiner Beinke
Am Klärwerk werden zurzeit Symbiofilter (links) und Abluft-Wäscher praktisch erprobt. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Ein lebender Filter, der geklärtem Abwasser überschüssige Nährstoffe entzieht, wird am Bramscher Klärwerk getestet. Und das offenbar mit gutem Erfolg: Dieser Symbiofilter ist für den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Sparte Forschung nominiert.

Lösungswege für den nachhaltigen Umgang mit Wasser werden diesmal gesucht. Nominiert sind die bio-elektrochemische Brennstoffzelle des Clausthaler Umwelttechnik-Instituts, das „Wasserschutzbrot“ des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau in Unterfranken und eben der Symbiofilter der Universität Osnabrück.

Erprobung in Bramsche

Dass der nun gerade in Bramsche erprobt wird, ist kein Zufall. Die Ursprungsidee stammt vom Bramscher Physiker Professor Hilmar Franke, der schon lange daran forscht, mithilfe von Algen Schadstoffe wie zum Beispiel Kohlendioxid aus dem Wasser zu filtern. Den jetzigen Symbiofilter hat die Firma Aqualight aus Lappenstuhl gebaut. Ein Teil des Abwassers und Abluft aus dem Klärwerk Bramsche wird in der kleinen Versuchsanlage gereinigt, mit gutem Ergebnis, wie Klärwerksleiter Frank Möller versichert. Die wissenschaftliche Betreuung des Projektes liegt bei der Universität Osnabrück.

Online-Voting

Eine genauere Vorstellung des Projektes wird im Rahmen des Wettbewerbs um den Nachhaltigkeitspreis noch folgen. Unter anderem wird dazu das Wissenschaftsmagazin „nano“ einen Film drehen. Aber schon jetzt ist das Online-Voting freigegeben. Jeder kann hier teilnehmen. Unter den Teilnehmern des Public Votings werden zwei Eintrittskarten für den 10. Deutschen Nachhaltigkeitstag mit Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf verlost.

Quelle: Bramscher Nachrichten, Heiner Beinke, Ausgabe vom 06.10.2017, https://www.noz.de/lokales/bramsche/artikel/961385/bramscher-projekt-fuer-nachhaltigkeitspreis-nominiert, abgerufen am 17.11.2017.

 

Beiträge aus Internetmagazinen

Innovation von Aqua Light aus Bramsche für deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Eine Zukunftsvision wird Wirklichkeit.

Eine Zukunftsvision wird Wirklichkeit: Der vom Unternehmen Aqua Light GmbH, dem in Bramsche lebenden Physiker Professor Hilmar Franke und der Universität Osnabrück entwickelte Symbiofilter klärt Abwasser auf natürlicher Basis mit Hilfe verschiedener Wasserpflanzen und Mikroorganismen. Der lebende Filter ist als eine von drei Innovationen für den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung nominiert: Die Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird am 8. Dezember in Düsseldorf verliehen.

Die Aqua Light GmbH ist Hersteller und Großhändler für Aquaristik Zubehör in Bramsche und exportiert in den gesamten Euro-Raum, die USA und in weitere Staaten. Geschäftsführer Klaus-Jürgen Feige und sein Bruder Helgo Feige, der als Projektmanager unter anderem die Entwicklung des Symbiofilters leitet, sind nicht nur begeisterte Aquarianer, sondern als Erfinder und Diplombiologen auch hoch interessiert an Umweltthemen. „Die Reinigung von Wasser spielt natürlich auch in der Aquaristik eine große Rolle: Da lag der Schritt zu größeren Anwendungen nahe“, skizziert Helgo Feige. Das über viele Jahrzehnte gewachsene Know-how aus der angewandten Physik von Professor Franke, der unter anderem mehrere Jahre lang in Wallenhorst ein Technologiezentrum für Algenzucht leitete, komplettierte die innovativen Gedanken des Forscherteams der Firma Aqua Light. Die akademische Begleitung des durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) geförderten Projektes gewährleistet die Universität Osnabrück.

Die Brüder Feige experimentierten mit der Wasserpflanze Lemna, auch Wasserlinse oder etwas unappetitlich Entengrütze genannt. Mit einem Eiweißanteil von bis zu 40 Prozent wächst die kleine Pflanzen exponentiell am Tag bis zu 100 Prozent und breitet sich in Windeseile auf Wasseroberflächen aus. Dabei verstoffwechselt sie fast nebenbei die Nähr- oder Schadstoffe des Wassers. Bei ihrer Nahrungsaufnahme ist sie nicht wählerisch: Egal, ob es um Nitrat, Phosphate oder Schwermetalle geht, Lemna nimmt alles auf. Ihre Wirkung lässt sich durch die im Filter eingesetzten Mikroorganismen, mit denen sie in einer Symbiose leben, weiter steigern.

„Diese Schadstoffentfernung ist in herkömmlichen Kläranlagen heute noch nicht möglich“, beschreibt Feige das Innovationspotenzial des Symbiofilters. Naheliegend also, die Erprobung in einer Kläranlage durchzuführen und die Bramscher Klärwerke waren gern zu einer Kooperation bereit. Hier steht nun der erste Prototyp des Symbiofilters, der praktisch je nach Anwendung grenzenlos erweiterbar ist.

Und so funktioniert´s: Im Symbiofilter wird das Abwasser mit langsamer Fließgeschwindigkeit durch ein Kaskadensystem transparenter Becken geleitet, das die Kultivierung von Wasserlinsen und Mikroorganismen auf geringstem Raum ermöglicht. Alle Becken sind mit einer Anfangskultur der lebenden Pflanzen präpariert, die sich schnell vermehren und gleichzeitig die Schadstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Dann werden regelmäßig die Wasserlinsen samt Schadstoffen geerntet – sehr simpel, da sie auf der Wasseroberfläche schwimmen. Die angelagerte Algen werden durch Oberflächenabzug entfernt. Die Pflanzen können dann je nach Inhaltsstoffen entweder entsorgt oder etwa als Dünger verwertet werden.

„Bisher sind die Ergebnisse der Erprobung sehr gut“, beschreibt Feige. Aqua Light entwickelt mit Professor Franke parallel dazu den Prototyp ständig weiter: Inzwischen steht auf dem Hof des Unternehmens ein umgebauter Schiffscontainer mit einem zehnstufigen Kaskadensystem, der sich im Winter auch heizen lässt. Denn die sattgrünen Minipflanzen brauchen für ihr Wachstum neben Licht auch Wärme – bei Temperaturen von unter zehn Grad sinken sie auf den Grund und reduzieren den Stoffwechsel auf ein Minimum.

Der Symbiofilter kann jedoch nicht nur Wasser reinigen, sondern auch Luft. „Denn kommunale Kläranlagen haben auch Probleme mit den Geruchsimmissionen“, schildert der Diplombiologe. Der so genannte Wäscher, ein rund zwei Meter großer Plexiglaszylinder, in dem Wasser versprüht wird, ermöglicht die Reinigung von Abluft aus dem Klärwerk. Der Wäscher verwendet nur Wasser mit Mikroalgen und Mikroorganismen aus dem Symbiofilter und reduziert die Geruchsbelastung signifikant, ohne dabei Abwässer zu erzeugen. Die aufgenommenen Nährstoffe werden anschließend im Symbiofilter verstoffwechselt.

Helgo Feige ist die Begeisterung anzumerken, wenn er über den Symbiofilter spricht: Neben der Abwasserreinigung in Klärwerken kann er sich eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten vorstellen. „Auch für die hohe Feinstaubbelastung in den Städten könnte der Symbiofilter eine aktive Lösung bieten“, ist er überzeugt. So könnte er an Verkehrsknotenpunkten im Innenstadtbereich die Feinstaubbelastung deutlich reduzieren. Inzwischen gibt es auch über die Wirtschaftsförderung des Landkreises, WIGOS, vermittelte Kontakte zu anderen Unternehmen im Bereich Umweltschutz. „Hier eine Vernetzung herzustellen, kann Impulse für weitere Innovationen und Kooperationen geben“, so WIGOS-Geschäftsführer Siegfried Averhage.

Die Auswahl unter den drei Kandidaten für den Nachhaltigkeitspreis wird per Online-Voting getroffen, an dem jeder unter www.nachhaltigkeitspreis.de/wettbewerbe/forschung teilnehmen kann. Zu gewinnen gibt es zwei Eintrittskarten für die Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf.

Quelle: Fokus Online, Landkreis Osnabrück, veröffentlicht am 06.11.2017, http://www.focus.de/regional/niedersachsen/landkreis-osnabrueck-innovation-von-aqua-light-aus-bramsche-fuer-deutschen-nachhaltigkeitspreis-nominiert_id_7809040.html, abgerufen am 20.11.2017.

 

Jetzt abstimmen: Aqua Light für Nachhaltigkeitspreis nominiert

Diplom-Biologe Helgo Feige (r.) erläutert Wigos-Geschäftsführer Siegfried Averhage die Funktion der winzigen Wasserlinse im Symbiofilter. Die lebende Anlage kann sowohl Abwasser als auch Luft reinigen und ist für den deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. © für Abbildung: PR; Quelle: Wigos; Aufnahme: Kimberly Lübbersmann
(pr/eb) Bramsche, 14. November 2017 / Das Bramscher Unternehmen Aqua Light ist Hersteller und Großhändler für Aquaristik-Zubehör und weltweit ein Begriff. Gemeinsam mit dem Physiker Prof. Dr. Hilmar Franke und der Universität Osnabrück entwickelte Aqua Light einen „Lebenden Filter“, der Abwasser auf natürlicher Basis mit Hilfe verschiedener Wasserpflanzen und Mikroorganismen klärt. Jetzt wurde der Symbiofilter für den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung nominiert.

Die Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird am 8. Dezember in Düsseldorf verliehen. Wer von den drei Kandidaten letztlich das Rennen um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis macht, kann Jeder im Online-Voting mitbestimmen. Und zu gewinnen gibt´s auch noch was – zwei Eintrittskarten für die Preisverleihung am 8. Dezember in Düsseldorf.

Aqua Light-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Feige und sein Bruder Helgo, der als Projektmanager unter anderem die Entwicklung des Symbiofilters leitet, sind nicht nur begeisterte Aquarianer, sondern als Erfinder und Biologen auch hoch interessiert an Umweltthemen.

„Die Reinigung von Wasser spielt natürlich auch in der Aquaristik eine große Rolle: Da lag der Schritt zu größeren Anwendungen nahe“, skizzierte Helgo Feige. Das über viele Jahrzehnte gewachsene Know-how aus der angewandten Physik von Prof. Franke, der unter anderem mehrere Jahre lang in Wallenhorst ein Technologiezentrum für Algenzucht leitete, komplettierte das Forscherteam der Firma Aqua Light, das von der Uni Osnabrück begleitet wurde.

Die Brüder Feige experimentierten mit der Wasserpflanze Lemna, auch als Wasserlinse oder „Entengrütze“ bekannt. Mit einem Eiweißanteil von bis zu 40 Prozent wächst die kleine Pflanzen exponentiell am Tag bis zu 100 Prozent und breitet sich in Windeseile auf Wasseroberflächen aus. Dabei verstoffwechselt sie fast nebenbei die Nähr- oder Schadstoffe des Wassers. Bei ihrer Nahrungsaufnahme ist sie nicht wählerisch: Ob Nitrat, Phosphate oder Schwermetalle – Lemna nimmt alles auf. Ihre Wirkung lässt sich durch die im Filter eingesetzten Mikroorganismen, mit denen sie in einer Symbiose leben, weiter steigern.

Die Bramscher Klärwerke haben als Kooperationspartner den ersten Prototyp des Symbiofilters in Erprobung. Im Symbiofilter wird das Abwasser mit langsamer Fließgeschwindigkeit durch ein Kaskadensystem transparenter Becken geleitet, das die Kultivierung von Wasserlinsen und Mikroorganismen auf geringstem Raum ermöglicht. Alle Becken sind mit einer Anfangskultur der lebenden Pflanzen präpariert, die sich schnell vermehren und gleichzeitig die Schadstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Dann werden regelmäßig die Wasserlinsen samt Schadstoffen geerntet – sehr simpel, da sie auf der Wasseroberfläche schwimmen.

Die angelagerten Algen werden durch Oberflächenabzug entfernt. Die Pflanzen können dann je nach Inhaltsstoffen entweder entsorgt oder etwa als Dünger auch weiter verwertet werden. „Bisher sind die Ergebnisse der Erprobung sehr gut“, betonte Feige. Parallel zur Erprobung wird kräftig weiter geforscht: Inzwischen steht auf dem Hof des Unternehmens ein umgebauter Schiffscontainer mit einem zehnstufigen Kaskadensystem, der sich im Winter auch heizen lässt. Denn die sattgrünen Minipflanzen brauchen für ihr Wachstum neben Licht auch Wärme – bei Temperaturen von unter zehn Grad sinken sie auf den Grund und reduzieren den Stoffwechsel auf ein Minimum.

Der Symbiofilter kann jedoch nicht nur Wasser reinigen, sondern auch Luft. „Denn kommunale Kläranlagen haben auch Probleme mit den Geruchsimmissionen“, schilderte Feige. Der so genannte Wäscher, ein rund zwei Meter großer Plexiglaszylinder, in dem Wasser versprüht wird, ermöglicht die Reinigung von Abluft aus dem Klärwerk. Der Wäscher verwendet nur Wasser mit Mikroalgen und Mikroorganismen aus dem Symbiofilter und reduziert die Geruchsbelastung signifikant, ohne dabei Abwasser zu erzeugen. Die aufgenommenen Nährstoffe werden anschließend im Symbiofilter verstoffwechselt.

Daran wird deutlich, dass sich der Symbiofilter neben der Abwasserreinigung in Klärwerken viele Einsatzmöglichkeiten bieten. „Auch für die hohe Feinstaubbelastung in den Städten könnte der Symbiofilter eine aktive Lösung darstellen“, zeigten sich die Feiges überzeugt. So könnte er an Verkehrsknotenpunkten im Innenstadtbereich die Feinstaubbelastung deutlich reduzieren.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Osnabrück (Wigos) hat bereits Kontakte zu anderen Unternehmen im Bereich Umweltschutz vermittelt. „Hier eine Vernetzung herzustellen, kann Impulse für weitere Innovationen und Kooperationen geben“, machte Wigos-Geschäftsführer Siegfried Averhage deutlich.

Quelle: Marktplatz Osnabrück, veröffentlicht am 06.11.2017, http://www.marktplatz-osnabrueck.de/desktopdefault.aspx/tabid-30/187_read-161977/, abgerufen am 20.11.2017.

 

Für nachhaltige Reinigung durch Wasserlinsen votieren

 


Die Jury des deutschen Nachhaltigkeitspreises hat drei Projekte für die Endrunde nominiert und ruft nun dazu auf, darüber abzustimmen. Mit im Rennen: die neue „Abwasserreinigung mit dem Symbiofilter“, ein Reinigungsverfahren auf Pflanzenbasis. Forschende der Firma Aqualight aus Bramsche und Pflanzenforscher der Uni Osnabrück haben das neue Verfahren ausgetüftelt, mit der am schnellsten wachsenden Wasserpflanze Lemna (Wasserlinsen) die Schmutzwasser in Klärwerken zu reinigen. Der Symbiofilter entfernt vor allem überschüssige Nährstoffe (Nitrat, Phosphat etc.) aus dem Wasser und hat das Potential gesundheitsschädliche Schwermetalle und Arzneimittelreste zu beseitigen. Wie die Jury über das Projekt schreibt (pdf), ist damit erstmals eine schnelle, witterungsunabhängige, preiswerte, mobile und äußerst effiziente Lösung zur Reinigung von Wasser möglich. Der Sieger des Forschungspreises wird in Kooperation mit der Wissenschaftssendung „nano“ auf 3sat über ein Online-Voting ermittelt und im Rahmen der Preisverleihung am 8. Dezember bekannt gegeben. Abstimmungsschluss ist am 17. November 2017. Die 3SAT-Sendetermine der Filme für alle drei Projekte jeweils um 18:30 Uhr bei „nano“ sind:

6. November: Wasserschutzbrot
7. November: Symbiofilter
8. November: BioBZ

Quelle: Deutsche Botanische Gesellschaft, veröffentlicht am 26.10.2017, https://www.deutsche-botanische-gesellschaft.de/wochenchronik-aktuell/alle-chroniken-2017-tabelle/dbg-chronik-43-2017/, abgerufen am 20.11.2017.